Same-day-delivery von Amazon im Test

Wie der same-day-delivery-service von Amazon die Logistik-Branche und mein Kaufverhalten verändern wird.

Ich bin Liebhaber von Musik, die in Vinyl gepresst wird. Ich bin kein Vielbesteller, doch ein gutes Dutzend neuer Platten bestelle ich im Jahr online. Neben Amazon kaufe ich bevorzugt auch bei hhv.de und jpc ein.

Bisher war mein Kaufverhalten von der Verfügbarkeit der Ware, der Lieferzeit und ein wenig, ich gebe es zu, vom Verkaufspreis abhängig. Gekauft habe ich die Platten in jenem shop, in dem die 3 Kriterien in einem ausgewogenen Verhältnis standen.

Amazon_same_day_deliveryAber mit dem seit November aufgesetzten Service „same-day-delivery“ von Amazon, könnte der Versandhandelsriese mein Kaufverhalten maßgeblich beeinflussen. Und vielleicht weniger bei Schallplatten als beim Einkauf von Verbrauchsgütern und Geschenkartikeln.

Ich war natürlich neugierig, ob Amazon sein Lieferversprechen einhält und bestellte am heutigen Vormittag eine Schallplatte. Und was soll ich sagen, kurz nach 6 am Abend stand der Postbote vor der Tür. In weniger als 8 Stunden wurde die gesamte Bestellung abgewickelt, hier das Kurzprotokoll dazu:

  • Bestellung abgeschickt: 10.43 Uhr
  • Mail erhalten: Bestellung wurde versandt: 13.42 Uhr
  • Paketbote klingelt an der Haustür: 18.07 Uhr
  • Schallplatte dreht sich auf dem Plattenteller: 22.23 Uhr

Um jetzt den Bogen zur Logistik zu spannen: Was bedeutet das Vorpreschen von Amazon für Versender wie Redcoon, Zooplus oder Zalando? Werden sie nachziehen? Können sie nachziehen? Was braucht es, um eine same-day-delivery-Konzeption umzusetzen? Folgende Punkte sehe ich als Basis:

  • Dezentrale Lagerung,
  • kurze Durchlaufzeiten bei der Auftragsabwicklung (Zwischen Bestelleingang und Ausgang Paket),
  • Vorsortierung der Ware für das Zielversandzentrum oder Zieldepot des Paketdienstleisters
  • ausreichend Pakete, um Direkteinlieferungen zu ermöglichen
  • Bestandstransparenz bei dezentraler Lagerung
  • eine IT, die verfügbare Ware dem potentiellen Besteller zuordnet (orientiert nach PLZ und Lieferstrecke).

Der Wettbewerbsvorteil von Amazon liegt u.a. in der dezentralen Lagerstruktur. Die Standorte der Fulfillment-Zentren sind so ausgewählt worden, dass Kunden in den Metropolen des Landes ihre Bestellung am gleichen Tag erhalten, an dem sie sie aufgegeben haben. Bei angeblich 1 Million angebotener Artikel, die same-day verfügbar sind, ist es nicht schwer, zu prognostizieren, dass der Service auf eine gewisse Resonanz stoßen wird.

Darüber hinaus sorgen im Hintergrund intelligente Systeme dafür, dass same-day-Ware nur jenen Kunden offeriert wird, die diesen Service auch tatsächlich in Anspruch nehmen können. Amazon spricht hier von 21 Millionen Menschen in den Metropolregionen.

Nach meinem Empfinden können andere Händler nachziehen, wenn sie in dezentralen Logistikstrukturen denken. Das klassische Zentrallager wird damit relativiert. Es kann für Händler Sinn machen, Lagerstandorte in der Nähe zu Metropolregionen zu unterhalten bzw. unterhalten zu lassen. Auch ohne, dass Bestände doppelt vorgehalten werden. Das kann auch den Markt für Logistikdienstleister befeuern.

Es gibt übrigens einen Bereich, der Vorreiter in Sachen same-day-delivery ist: die Pharmagroßhändler. Mit Ihren dezentralen Lagerstrukturen sind sie innerhalb von wenigen Stunden in der Lage, Apotheken zu beliefern. Und das bereits seit einigen Jahren.

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