Was ist los im Markt für Kontraktlogistik?

Die Kapazitäten sind knapp, die Preise steigen. Spielt der Markt für Kontraktlogistik gegenwärtig“verrückt“? Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit den aktuellen Entwicklungen im deutschen Kontraktlogistik-Markt. Quelle: eigene Erfahrungen aus Kontraktlogistik-Ausschreibungen der vergangenen 24 Monate.

In diesem Jahr habe ich 8 Kontraktlogistik-Ausschreibungen betreut. Je mehr sich das Jahr seinem Ende näherte, desto schwieriger wurde es, Dienstleisterangebote auf Anfragen zu erhalten. Von eingehaltenen Abgabefristen möchte ich erst gar nicht sprechen.

Vor 18 Monaten war die Situation noch eine andere: Um 5 Angebote zu erhalten reichte es aus, 7 bis 8 Unternehmen anzusprechen. Aktuell muss man davon ausgehen, dass man mehr als doppelt so viele Unternehmen ansprechen muss, um ebenfalls 5 Angebote zu erhalten.

Was sind die Gründe für Engpässe im Kontraktlogistik-Markt und wie kann man sich als ausschreibendes Unternehmen darauf einstellen?

Sonderfall E-Commerce Logistik

Hier geht es noch „verhältnismäßig entspannt zu“ zu. Kleinere bis mittlere Anbieter haben noch Kapazitäten, um kleinere bis mittlere Onlinehändler aufzunehmen. Jedoch wird es oberhalb von 2.500 qm Flächenbedarf schon wieder enger. Auch hier führt die steigende Nachfrage zu tendenziell besseren Auslastungen und somit höheren Angebotskosten (unverhandelt).  Oder halt zu vermehrten Absagen in Ausschreibungsrunden. Wobei hier das Verhältnis zwischen Ansprache und erhaltenen Angeboten noch akzeptabel ist.

Frische- und Kühllogistik

Das dieser Markt zum Jahresende hin heiß läuft, ist nicht verwunderlich. Wundern tut man sich nur, wenn es heißt, dass Kapazitäten bis Ende 2018 belegt sind. Für die Logistiker freut es mich, doch wer nimmt jene Nachfrage auf, die sich ggf. verlagert oder aus neuen Bedarfen entsteht. Schließlich boomen die Frischeabteilungen bei Kaufland, Rewe und Co.

Kontraktlogistik Hamburg

Anfang des Jahres teilte mir ein big-player der Branche mit, die Ansiedlung von Amazon erhöhe den Druck auf die Logistik-Preise, da der Online-Riese das Lagerpersonal in der Hansestadt und Umgebung absaugt. Ausschreibungen im Hamburg haben gezeigt, dass es herausfordernd ist, aktuelle Budgets zu halten oder gar zu unterbieten. Wenn man sich mit 10 Dienstleistern im Rahmen einer Ausschreibung austauscht, dann haben 5 Unternehmen keine Kapazitäten, 3 bieten überdurchschnittliche Preise an und mit gerade mal 2 Anbietern lohnen sich weiterführende Gespräche.

Kontraktlogistik von Berlin bis Mitteldeutschland

Im Einzugsgebiet von Berlin und Mitteldeutschland ist die Situation im Kontraktlogistik-Markt gegenüber Hamburg etwas positiver und nicht ganz so extrem (Amazon ist ja schon da). Das Verhältnis ist hier 3-4-3 (keine Kapazitäten/kein Interesse – preislich unattraktiv – preislich und konzeptionell interessant).

Engpass Lagerpersonal

Lagerpersonal ist ebenso schwer zu beschaffen, wir Fahrerpersonal. Alternativ muss auf teure Zeitarbeitskräfte zurückgegriffen werden. Meistens auch zulasten der Qualität. Die Abwicklungskosten erhöhen sich, da sich die Budgets für das Personal bei höheren Zeitarbeitsanteil ebenfalls erhöhen.

Dies sind die Auswirkungen (auf Preise)

Es ist bei einzelnen Anbietern ganz klar zu beobachten, dass sich beispielsweise Kosten für Palettenstellplätze binnen Jahresfrist um 30 bis 50 % erhöhen. Ohne zu tief ins Detail einzusteigen, kann ich sagen, dass vergleichbare Lagerabwicklungen heute im Schnitt 10 bis 15 % teurer sind als vor 1 oder 2 Jahren. (Quelle: meine Ausschreibungen der letzten beiden Jahre).

Darüber hinaus rufen einige Dienstleister „Mondpreise“ auf, die mitunter nicht nachvollziehbar sind, wenn man nur die Flächen und das benötigte Personal betrachtet. Und einen Betrag an Fixkosten. So können Angebotssummen durchaus um den Faktor 2 variieren, obwohl alle Dienstleister auf das gleiche (vergleichbare) Mengengerüst kalkuliert haben.

Was bedeutet dies ausschreibende Unternehmen?

Für ausschreibende Unternehmen bedeutet es, dass der Markt für Kontraktlogistikleistungen noch breiter „gescannt“ werden muss. Es kann sein, das Wunsch- oder Zielpreise nicht oder nur sehr schwer zu erzielen sind.

Darüber hinaus ist es denkbar, dass man zu Anbietern wechseln muss, die keine moderne Infrastruktur haben, wie der Kontraktlogistik-Wunschkandidat.

Weiterhin muss man sich ggf. von regionaler Nähe zum Dienstleister verabschieden, wenn der Markt vor der Haustür heiß gelaufen ist.

Fazit

Es ist in der Tat aktuell so, dass Angebote regelrecht akquiriert werden müssen. Okay, ich war schon immer ein Fan des Dienstleister-Marketings: Es gilt, dem Dienstleister mit wenigen Worten, davon zu überzeugen, warum das angefragte Kundenvorhaben attraktiv ist. Insofern rücken kaufmännische Gesichtspunkte zunächst in den Hintergrund, wo es heißt, vertriebsseitig zu glänzen. Im Sinne von Kundenutzen und Ausschreibungserfolg.

Die Frage ist: Warum sind die Flächen (Kapazitäten) aktuell knapp. Erwarten die Kontraktlogistiker ein Abkühlen der Konjunktur und damit auch eine Verringerung der Nachfrage (auf hohen Niveau)? Diese Art von Wartestellung lässt die Preise natürlich steigen, da sich das Angebot (an Kapazitäten) verringert.

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